AUSTRALIEN I - DIE 12 APOSTEL

Nach einer fantastischen Zeit auf Tasmanien gings vor rund einer Woche weiter nach Melbourne ans Festland von Australien. Da ich Städte die grösser sind als ein durchschnittliches Schweizer Kleindorf grundsätzlich meide, hatte ich vor, direkt vom Flughafen zur Great Ocean Road aufzubrechen. Meine zwei linken Hände sorgten jedoch dafür, dass mein meistgebrauchtes Objektiv, das Nikkor 14-24mm F2.8 vorne auf der Frontscheibe einen üblen Kratzer erwischte und per sofort nicht mehr für Bilder gegen die Sonne oder gegen das Licht eingesetzt werden konnte. 

Der Zufall wollte es jedoch so, dass ein befreundetes Paar bald unterwegs von der Schweiz nach Melbourne war und wir zeitgleich in Melbourne ankamen. Da wir uns sowieso im Melbourne treffen wollten und ich bei Nikon noch ein Ersatzobjektiv auftreiben konnte, (selbstverständlich musste es per Express-Post an meine Freunde versendet werden, ich bin ja immer sehr früh dran ;-)) bin ich nun wieder stolzer Besitzer eines makellosen 14-24mm Objektiv.

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Conny und Roger, das besagte Schweizer Paar hatte vor einigen Wochen ihren selbst umgebauten Toyota Landcruiser nach Australien verschiffen lassen und reisen nun für sage und schreibe ZWEI ganze Jahre oder gar mehr durch Australien und Südamerika. So sehr ich es LIEBE selbständig zu sein und meine eigene Firma zu besitzen, genau das ist es, was am Angestellt sein schön ist. Man kann seine Zelte zuhause abbrechen, sich abmelden und nach der Rückkehr wieder einen Job in Angriff nehmen. Ich könnte mir nie vorstellen, wie das in meinem Gewerbe ginge, für zwei Jahre dicht zu machen, in der Welt herumzureisen und dann nach Hause zu kommen und das Gefühl zu haben, meine Kunden hätten auf mich gewartet. :-) Dazu kommt der effektive Grund, warum ich keine solch lange Reise unternehmen könnte; Reisen bedeutet für mich schlichtweg purer Stress und von Ort zu Ort rennen, immer auf der Suche nach dem besten Licht. Seit meinem Reisebeginn am 1. Februar bin ich ein einziges mal ruhig und gelassen eine halbe Stunde da gesessen, ohne Angst zu haben, was zu verpassen und das war auf der Fährfahrt zur Kangaroo Island. Würde meine Reise zwei Jahre dauern, wäre ich nach 3 Monaten total ausgebrannt. Aus genau diesem Grund musste ich meine Weltreise im 2008 nach 5 statt den geplanten 10 Monaten abbrechen. Das Fass war voll und ich total leer. Reisen und Ferien ist nicht das Selbe und Foto-Reisen schon gar nicht. ok, nun ist aber Schluss mit jammern ;-)

Great Ocean Road - schön wars...
Nachdem ich die Stadt Melbourne nach knapp 3 Stunden endlich hinter mir lassen konnte, plante ich während 3 Tagen gemütlich zu den 12 Aposteln zu fahren. Kurzer Blick auf die Wettervorhersage und PUFF war mein Traum vom „gemütlich“ wieder einmal geplatzt. An der Südküste entlang der Great Ocean Road war Sturm und extremes Wetter vorhergesagt. Nachdem ich ca. 2 Millionen Schönwetterbilder der 12 Apostel angeschaut hatte und mich immer fragte, ob es denn dort auch mal richtig einzigartige Lichtstimmungen gab, entschied ich mich, die Great Ocean Road in einem Abend und einer halben Nacht durchzufahren, so dass ich am nächsten morgen früh bei den Aposteln sein könnte. Unterwegs verdunkelte sich der Himmel und der Wind nahm so schnell so rasant zu, wie ich es selten erlebt hatte. Beim ersten Sonnenaufgang stand ich also beim Visitor Center und welch Wunder, ich war alleine - kein Auto weit und breit. Der Regen war dermassen stark, dass ich vom Viewpoint aus nur den ersten Apostel sehen konnte. Nach einer Stunde des Wartens gab ich auf und ging zurück Richtung Auto, ich hatte solchen Hunger. Unterwegs öffnete sich wie auf Knopfdruck der Himmel und ein Sonnenstrahl schoss durch die dunkelgraue Wolke hinunter zu den Cliffs. Natürlich hatte ich diesen einen Strahl verpasst und ärgerte mich grün und blau über mich selbst und meine Entscheidung, mir einmal etwas Ruhe und ein ausgiebiges Frühstück zu gönnen. Danach aber patrouillierte ich mit der Kamera griffbereit den ganzen Morgen über den offiziellen Touristenweg der Apostel und konnte jeden Sonnenstrahl erwischen.

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Auf dem Weg vom Visitor Center kommt man immer mal wieder an der Tafel ACHTUNG GIFTSCHLANGEN vorbei. Nach kurzem Googeln fand ich diverse Stories von Sichtungen der gefährlichen Tigersnake und der Copperhead - beide tödlich, wenn nicht schnell behandelt.

Schlangen - Die Wächter der innoffiziellen Fotografenwege
Vorweg, ich bin Schlangenfan. Schon von Klein auf haben mich die Tiere extrem fasziniert und per Zufall war mein erster Biologielehrer sozusagen von Schlangen besessen - während zwei Jahren lernte ich im Klassenzimmer alle Arten von Schlangen kennen. Nach mehreren Besuchen im Schlangenzoo bei uns in der Ostschweiz entschied ich mich, auch zwei Schlangen zu kaufen - das schlechte Gewissen den Tieren gegenüber brachte mich jedoch dann dazu, die beiden hochgiftigen Kobras in Wil, am Dorfweiher auszusetzen. Scherz beiseite - die beiden Kornnattern leben nun im Schlangenzoo und haben dort auch mehr Platz und Gesellschaft als bei mir. :-)

Man hört viele Schauermärchen von Australien, dem Land der giftigsten Tiere der Welt. Warum die Schlangen hier überhaupt so giftig sind, ist sehr einfach zu erklären. Ihre Nahrung besteht ausnahmslos aus sehr schnellen Fluchttieren. Würde das Gift erst nach einer Weile wirken, wäre das suboptimal. Nach mehr als 3 Wochen in diesen Gegenden kann ich bestätigen: Es HAT Giftschlangen und zwar bedeutend mehr als ich erwartet / erhofft habe. In Tasmanien sah ich 7 Schwarze Tigerottern und hier an der Südküste Australiens und auf Kangaroo Island bislang 10 Tigerottern (2 davon überfahren) und eine Copperhead. Dass ich so viele dieser Schlangen sehe ist nicht ganz zufällig. Ich bin meist zu Fuss unterwegs und das beim ersten UND letzten Licht des Tages UND zwar nicht auf Wegen sondern im Gebüsch oder im hohen Gras. Schlangen wollen morgens immer dasselbe - schnell Wärme tanken. Das heisst, sie liegen immer am sonnigsten Platz und das ist meist auch dort, wo ich langgehe, da es dort kein Gebüsch oder Gras hat ;-)  

Nun aber zurück zu den 12 Aposteln und der Relation zu den Schlangen. Nach einem halben Tag hatte ich die Bilder der offiziellen Viewpoints gemacht und ich wollte NEUE, noch nie gesehene Perspektiven finden. Dafür muss man jedoch durchs Gebüsch und hohe Gras wandern. Genau dort, wo die Copperheads und Tigersnakes auch auf ihre Beute warten. Meine Technik, durch das Gras und die Gebüsche zu kommen, war sehr einfach. Stativ aufbauen und bei jedem Schritt 2x kräftig mit dem Stativ auf den Boden stampfen, damit die Schlangen spüren dass da was grosses kommt… Dazu hab ich zwei Paar lange Hosen übereinander angelegt, hohe Schuhe und dicke Socken. Nach dem ordentlichen Gewichtsverlust der vergangenen Wochen passten mir die 2 Paar Hosen hervorragend und mir war dazu noch schön warm. Meine Technik war äusserst erfolgreich, denn schon am ersten Abend konnte ich eine superschöne effektiv tigerartig gefärbte Tigersnake verscheuchen. Die Tiere sind jedoch so schnell, dass ein Foto immer nur mit Gebüsch ohne Schlange endet…

Der Traum des Landschaftsfotografen
Nachdem ich meine Punkte ohne Bisswunden gefunden hatte, wartete ich auf die einmaligen Schlechtwetter-Stimmungen, die ich erwartet hatte und siehe da, sie kamen. Ein Traum ging in Erfüllung. Die aktuell noch 8 von 12 Aposteln präsentierten sich mir von ihrer schönsten Seite. Nachdem es immer mal wieder regnete wie aus Kübeln, kam die Sonne zum Vorschein und erzeugte so diverse Regenbögen. Ein Traum. Am besten lasse ich nun die Bilder sprechen. 

WICHTIG: Die Bildqualität der Bilder im Blog ist NICHT FINAL. Mir fehlt aktuell die Zeit, die Bilder einzeln in Lightroom zu entwickeln und auf dem Laptop sind die Farben und die Darstellung nicht wirklich brauchbar, daher wurde bei diesen Bilder ein einfaches Standard-Preset angewandt. Bitte keine Beurteilung der Farben / Kontraste / Sensorflecken / Weissabgleich und Dergleichen. Bei all meinen Bildern handelt es sich ausnahmslos um Einzelbelichtungen / Einzelaufnahmen. 

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 Sonnenuntergang mit hereinziehender Regenwolke im Hintergrund links

Sonnenuntergang mit hereinziehender Regenwolke im Hintergrund links

 Sonnenaufgang mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Aposteln

Sonnenaufgang mit den ersten Sonnenstrahlen auf den Aposteln

 Fernab der Pfade findet man den einen oder anderen fotografischen Leckerbissen

Fernab der Pfade findet man den einen oder anderen fotografischen Leckerbissen

 Selbstportrait an den senkrechten sehr instabilen Klippen

Selbstportrait an den senkrechten sehr instabilen Klippen

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Kleiner Abstecher in den Urwald
Unweit von den 12 Aposteln entfernt findet man einen wundervollen Urwald voller Flüsse, Farne und Koala Bären. Während drei Stunden habe ich die 12 Apostel verlassen und mich auf die Suche nach den Wasserfällen gemacht. Erste Bilder hier... (Bilder der Koalas folgen beim nächsten Blog-Eintrag)

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Und ab in die Luft
Am Tag meiner Abreise zog der Himmel plötzlich auf und das „Rückseitenwetter“ präsentierte sich von der besten Seite. Cumulus Wolken, stahlblauer Himmel und endlich weniger Wind. Die PERFEKTEN Bedingungen um erstmals meine Drohne aus dem Koffer zu nehmen und nach langer Beobachtung der Hubschrauber, der jede halbe Stunde zum Rundflug startete, einen Flug über die Apostel zu wagen. Nachdem ich die Werbebilder der Hubschrauberfirma sah, dachte ich noch, die fliegen viel zu hoch und viel zu weit weg von der Küste. Dazu kommt, dass die mit solch einem Tempo über die Apostel hinwegdonnern, dass der Fotoflug das Geld effektiv NICHT wert ist. Mit meiner Drohne konnte ich dann exakt dorthin fliegen, wo der Bildaufbau, die Perspektive und einfach alles passte. Dazu dieses Wetter, der ND8 Polfilter montiert und die perfekten Kitschbilder sind im Kasten.

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Auch bei den 12 Aposteln erwartete ich, zumindest einen Fotografen zu treffen, der ab den Wegen ging, aber sobald ich von der Strasse weglief, war ich total alleine. Aktuell sitze ich an einem Traumstrand mit feuerroten Felsen auf Kangaroo Island und bin seit nun schon 7 Stunden total alleine. Es stimmt, sehr sehr viele Leute reisen nach Australien in den Urlaub, ABER das Land ist so unermesslich gross, dass sich die Menschen sehr gut verteilen. 

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Michael Bissig